‘Das Klagende Lied’

Das Klagende Lied – Introduction

Sunday, July 4th, 2010

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The Work

Dates of composition: 1878-1880, revised edition 1898-1900
Place of composition: Vienna and Jihlava
Premiere: February 17, 1901, Vienna
Type of composition: Cantata for vocal soloists, chorus and orchestra
Soloists: Soprano, Alto, Tenor, Baritone (in Part I only)

Movements:
Part I: Waldmärchen (A Forest Legend) [deleted by Mahler]
Part II: Der Spielmann (The Minstrel)
Part III: Die Hochzeitstück (The Wedding Piece)

London Symphony Orchestra and Chorus
Pierre Boulez, conductor

Grace Hoffman, soprano
Evelyn Lear, soprano
Elisabeth Söderström, soprano
Stuart Burrows, tenor
Ernst Haeflinger, tenor
Gerd Nienstedt, baritone

Sony Classical SK 45841
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Das Klagende Lied – Waldmärchen (Forest Legend)

Sunday, July 4th, 2010

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The Work

I. Waldmärchen
Es war eine stolze Königin,
gar lieblich ohne Maßen;
kein Ritter stand nach ihrem Sinn,
sie wollt’ sie alle Hassen.
O weh, du wonnigliches Weib!
Wem blühet wohl dein süßer Leib!

Im Wald eine rote Blume stand,
ach, so schön wie die Königinne.
Welch Rittersmann die Blume fand,
der konnt’ die Frau gewinnen!
O weh, du stolze Königin!
Wann bricht er whol, dein stolzer Sinn?

Zwei Brüder zogen zum Walde hin,
sie wollten die Blume suchen;
Der Eine hold und von mildem Sinn,
Der Andre konnte nur fluchen!
O Ritter, schlimmer Ritter mein,
o ließest du das Fluchen sein!

Als sie so zogen eine Weil’,
da kamen sie zu scheiden;
das war ein Suchen nur in Eil’,
im Wald und auf der Heiden.
Ihr Ritter mein, im schnellen Lauf,
wer findet wohl die Blume?

Der June zieht durch Wald und Heid’,
er braucht nicht lang zu gehn;
Bald sieht er von ferne bei der Weid’,
die rote Blume stehn.
Die hat er auf den Hut gesteckt,
und dann zur Ruh’ sich hingestreckt.

Der Andre zieht im wilden Hang,
umsonst durchsucht er die Heide,
und als der Abend herniedersank,
da kommt er zur grünen Weide!
O weh, wen er dort schlafend fand,
die Blume am Hut, am grünen Band!

Du wonnigliche Nachtigall,
und Rotkehlchen hinter der Hecken,
wollt ihr mit eurem süßen Schall
den armen Ritter erwecken!
Du rote Blume hinterm Hut,
Du blinkst und glänzest ja wie Blut!

Ein Auge blickt in wilder Freud’,
Des Schein hat nicht gelogen:
Ein Schwert von Stahl glänzt ihm zur Seit’,
das hat er nun gezogen.
Der Alte lacht unterm Weidenbaum,
der Junge lächelt wie im Traum.

Ihr Blumen, was seid ihr vom Tau so schwer?
Mir scheint, das sind gar Tränen!
Ihr Winde, was weht ihr so traurig daher,
was will euer Raunen und Wähnen?

“Im Wald, auf der grünen Heide,
da steht eine alte Weide.”

1. Forest Legend
There once was a proud queen,
lovely beyond measure;
no knight could win her favor,
She looked with scorn on all.
o woe, wondrous lady!
For whom will your fair body bloom?

In the forest is a red flower,
ah, as fair as the queen;
the knight who found the flower
would win her for his wife.
o woe, proud queen!
When will your proud spirit be broken?

Two brothers went into the forest
in search of the flower;
one was kind and gentle,
the other could only blaspheme.
o knight, evil knight,
give up your blasphemy!

When they had gone a little while,
they parted from each other;
and now each of them hastened
to search both wood and heath.
You knights, in such a hurry,
which of you will find the flower?

The younger went through wood and heath,
he did not need to search for long;
soon he saw, from afar, by a willow,
the red flower there.
He fixed it to his cap,
and then lay down to rest.

The other roamed a wild ravine,
he searched the heath in vain,
and as evening drew on,
he came to the green willow.
o woe to him he found sleeping there,
the flower in his cap, tied with green.

You, wondrous nightingale,
and robin of the hedgerows,
won’t you waken the poor knight
With your sweet song?
You, red flower in his cap,
you gleam and glint like blood!

An eye gleams in wild joy,
its brightness does not lie;
a steel sword glints at his side,
and now he has drawn it.
The elder laughs under the willow tree,
the younger smiles as if dreaming.

Flowers, why are you so heavy with dew?
They look like tears to me.
Breezes, why do you blow so sadly thence,
what does your whispering mean?

“In the forest, on the green heath,
there stands an old willow.”

Translation 1991 David Matthews
By permission of London Records

Das Klagende Lied – Der Spielmann (The Minstrel)

Sunday, July 4th, 2010

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The Work

II. Der Spielmann

Beim Weidenbaum, im kühlen Tann,
da flattern die Dohlen und Raben,
da liegt ein blonder Rittersmann
unter Blättern und Blüten begraben.
Dort ist’s so lind und voll von Duft,
als ging ein Weinen durch die Luft!
O leide, weh! O Leide!

Ein Spielmann zog einst des Weges daher,
da sah er ein Knöchlein blitzen;
er hob es auf, als wär’s ein Rohr,
wollt’ sich eine Flöte draus schnitzen.
O Spielmann, lieber Spielmann mein,
Das wird ein seitsam Spielen sein!
O Leide, weh! O Leide!

Der Spielmann setzt die Flöte an
und läßt sie laut erklingen:
O Wunder, was nun da began,
welch seltsam traurig Singen!
Es klingt so traurig und doch so schön,
wer’s hört, der möcht’ vor Leid vergehn!
O Leide, Leide!

“Ach, Spielmann, lieber Spielmann mein!
Das muß ich dir nun klagen:
Um ein schönfarbig Blümelein
Hat mich mein Bruder erschlagen!
Im Walde bleicht mein junger Leib,
mein Bruder freit ein wonnig Weib!”
O Leide, Leide, weh!

Der Spielmann ziehet in die Welt’,
läßt’s überall erklingen.
Ach weh, ach weh, ihr lieben Leut’,
was soll denn euch mein Singen?
Hinauf muß ich zu des Königs Saal,
hinauf zu des Königs holdem Gemahl!
O Leide, weh, o Leide!

II. The Minstrel

By a willow tree, in a cool forest,
where jackdaws and ravens hover,
there lies a fair-headed knight
Buried under leaves and blossoms.
It is so calm and fragrant there,
as if weeping filled the air!
o sorrow, sorrow!

A minstrel once went that way,
he saw a bone gleaming there;
he picked it up, as if it were a reed
from which he might carve a flute.
o minstrel, dear minstrel,
that will be a strange sort of music!
o sorrow, woe, sorrow!

The minstrel put the flute to his mouth
and let it play loudly.
o wonder, at what now began!
What strange and mournful singing!
So mournful and yet so beautiful,
whoever heard it might die of sorrow!
o sorrow, sorrow!

“0 minstrel, dear minstrel,
I must tell you my grievous tale:
for a brightly coloured flower
my brother murdered me.
My young bones bleach in the forest,
My brother woos a fair bride.”
o sorrow, sorrow, woe!

The minstrel went far and wide,
elsewhere playing his music.
“Alas, alas, dear people,
what do you think of my song?
I must go to the royal castle,
to the king’s fair bride.”
o Sorrow, woe, sorrow.

Translation 1991 David Matthews
By permission of London Records

Das Klagende Lied – Die Hochzeitstück (The Wedding Party)

Tuesday, July 6th, 2010

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The Work

III. Hochzeitsstück

Vom hohen Felsen erglänzt das Schloß,
die Zinken erschalin und Drometten.
Dort sitzt der mutagen Ritter Troß,

die Frauen mit goldenen Ketten.
Was will wohl der jubelnde, fröhliche Schall?
Was leuchtet und glänzt im Königssaal?

O Freude, heiah! Freude!

Und weißt du’s nicht, warum die Freud’?

Hei! Daß ich dir’s sagen kann!
Die Königin halt Hochzeit heut’
mit dem jungen Rittersmann!
Seht hin, die stolze Königin!
Heut’ bricht er doch, ihr stolzer Sinn!
O Freude, heiah! Freude!

Was ist der König so stumm und bleich?
Hört nicht des Jubels Töne!
Sieht nicht die Gäste stolz und reich,
sieht nicht der Königin holde Schöne!

Was ist der König so bleich und stumm?
Was geht ihm wohl im Kopf herum?
Ein Spielmann tritt zur Türe herein!
Was mag’s wohl mit dem Spielmann sein?
O leide, weh! O Leide!

“Ach Spielmann, lieber Spielmann mein,
Das muß ich dir nun klagen!
Um ein schönfarbig Blümelein
hat mich mein Bruder erschlagen!
Im Walde bleicht mein junger Leib,
mein Bruder freit ein wonnig Weib!”

O Leide, weh! O Leide!

Auf springt der König von seinem Thron
Und blickt auf die Hochzeitsrund’.
Und er nimmt die Flöte in frevelndem Hohn
Und setzt sie selbst an den Mund!
O Schrecken, was nun da erklang!
Hört ihr die Märe, todesbang?

“Ach Bruder, lieber Bruder mein,
du hast mich ja erschlagen!
Nun blast du aif meinem Totenbein,
das muß ich ewig klagen!
Was hast du mein junges Leben
dem Tode hingegeben?”
O Leide, weh! O Leide!

Am Boden liegt die Königin,
die Pauken verstummen und Zinken.
Mit Schrecken die Ritter und Frauen fliehn,
die alten Mauern sinken!
Die Lichter versloschen im Königssaal!

Was ist whol mit dem Hochzeitsmahl?
Ach Leide!

III. Wedding Piece

The castle gleams from the high cliff,
trumpets and drums resound;
there sits the band of brave knights,

and their ladies with gold necklaces.
What does this joyful, festive sound mean?
What glitters and shines in the great hall?

Joy, 0 joy!

And do you not know the reason for this joy?

Indeed I can tell you:
the queen is to be married today
to the young knight.
See there, the proud queen!
Today her proud spirit shall be broken.
Joy, 0 joy!

Why is the king so silent and pale?
He does not hear the joyful sounds,
he does not see the guests, so proud and rich,
or the queen’s ravishing beauty.

Why is the king so pale and silent?
What disturbs his peace of mind?
A minstrel comes to the door!
What has the minstrel come for?
o Sorrow, woe, sorrow!

“0 minstrel, dear minstrel,
I must tell you my grievous tale:
for a brightly coloured flower
my brother murdered me.
My young bones bleach in the forest,
my brother woods a fair bride.”

O sorrow, woe, sorrow!

The king leaps up from his throne
and looks at his wedding guests;
he takes the flute contemptuously
and puts it in his mouth.
o horror, what sounds forth now!
Do you hear the fearful story?

“0 brother, dear brother,
It was you who murdered me;
now you play on my bone!
For this I must ever accuse you.
Why have you given to Death
my young life?”
o sorrow, woe, sorrow!

The queen sinks to the ground,
trumpets and drums are silent;
the knights and their ladies flee in terror,
the ancient ramparts crumble.
The lights have gone out in the great hall.

What is left of the wedding feast?
o sorrow!

Translation 1991 David Matthews
By permission of London Records