Symphony No.8 In E-Flat Major – Part II – Schluss-Szene Aus Goethes Faust II (Final Scene of Goethe’s Faust II) – Text

Vergschluchten, Wald, Fels, Einöde. Heilige
Anachoreten, gebirgauf verteilt, gelagert
zwischen Klüften.

HEILIGE ANACHORETEN
Waldung, sie schwankt heran,
Felsen, sie lasten dran,
Wurzeln, sie klammern an,
Stamm dicht an Stamm hinan,
Woge nach Woge spritzt,
Höhle, die tiefste, schützt;
Löwen, sie schleichen stumm,
ehren geweihten Ort,
heiligen Liebeshort.

PATER ECSTATICUS
(auf und ab schwebend)
Ewiger Wonnebrand,
glühendes Liebesband,
siedender Schmerz der Brust,
schäumende Gotteslust.
Pfeile, durchdringet mich,
Lanzen, bezwinget mich,
Keulen, zerschmettert mich,
daß ja das Nichtige
alles verflüchtige,
glänze der Dauerstern,
ewiger Liebe Kern!

PATER PROFUNDIS
(tiefe Region)
Wie Felsenabgrund mir zu Füßen
auf tiefem Abgrund lastend ruht,
wie tausend Bäche strahlend fließen
zum grausen Sturz des Schaums der Flut,
wie strack, mit eig’nem kräft’gen Triebe,
der Stamm sich in die Lüfte trägt;
so ist es die allmächt’ge Liebe,
die alles bildet, alles hegt.
Ist um mich her ein wildes Brausen,
als wogte Wald und Felsengrund!
Und doch stürzt, liebevoll im Sausen,
die Wasserfülle sich zum Schlund,
berufen gleich das Tal zu wässern;
der Blitz, der flammend niederschlug,
die Atmosphäre zu verbessern,
die Gift und Dunst im Busen trug:
Sind Liebesboten, sie verkünden,
was ewig schaffend uns umwallt.
Mein Inn’res mög’ es auch entzünden,
wo sich der Geist, verworren, kalt,
verquält in stumpfer Sinne Schranken,
scharfangeschloßnem Kettenschmerz.

O Gott! beschwichtige die Gedanken,
erleuchte mein bedürftig Herz!

CHOR DER ENGEL
(schwebend in der höhern Atmosphären,
Faustens Unsterbliches tragend)
Gerettet ist das edle Glied
der Geisterwelt vom Bösen:
Wer immer strebend sich bemüht,
den können wir erlösen;
und hat an ihm die Liebe gar
von oben teilgenommen,
begegnet ihm die sel’ge Schar
mit herzlichem Willkommen.

CHOR SELIGER KNABEN
(um die höchsten Gipfel kreisend)
Hände verschlinget euch
freudig zum Ringverein,
regt euch und singet
heil’ge Gefühle drein!
Göttlich belehret,
dürft ihr vertrauen;
den ihr verehret,
werdet ihr schauen.

CHOR DER JÜNGEREN ENGEL
Jene Rosen, aus den Händen
liebend-heil’ger Büßerinnen,
halfen uns den Sieg gewinnen
und das hohe Werk vollenden,
diesen Seelenschatz erbeuten.
Böse wichen, als wir streuten,
Teufel flohen, als wir trafen.
Statt gewohnter Höllenstrafen, wdh.
fühlten Liebesqual die Geister;
selbst der alte Satans-Meister
war von spitzer Pein durchdrungen.
Jauchzet auf! Es ist gelungen.
DIE VOLLENDETERN ENGEL
Uns bleibt ein Erdenrest,
uns zu tragen peinlich,
und wär’ er von Asbest
er ist nicht reinlich.
Wenn starke Geisteskraft
die Elemente
an sich herangerafft,
[ALTSOLO]
kein Engel trennte
geeinte Zwienatur

der innigen beiden;
[ALTOSOLO, CHOR]
die ewige Liebe nur
vermag’s zu scheiden.

DIE JÜNGEREN ENGEL
Ich spür’ soeben,
nebelnd um Felsenhöh’,
ein Geisterleben,
regend sich in der Näh’.
Seliger Knaben
seh’ ich bewegte Schar,
los von der Erde Druck,
im Kreis gesellt,
die sich erlaben
am neuen Lenz und Schmuck
der obern Welt.
Sei er zum Anbeginn,
steigendem Vollgewinn,
diesen gesellt!

DOCTOR MARIANUS
(in der höchsten, reinlichsten Zelle)
Hier ist die Aussicht frei,
der Geist erhoben. . .
Dort ziehen frauen vorbei,
schwebend nach oben;
die Herrliche mittenin
im Sternenkranze,
die Himmelskönigin,
ich seh’s am Glanze!

CHOR SELIGER KNABEN
Freudig empfangen wir
diesen im Puppenstand;
also erlangen wir
englishces Unterpfand.
Löset die Flocken los,
die ihn umgeben!
Schon ist er schön und groß
von heiligem Leben.

DOCTOR MARIANUS
(entzückt)
Höchste Herrscherin der Welt,
lasse mich im blauen
ausgespannten Himmelszelt
dein Geheimnis schauen!
Bill’ge, was des Mannes Brust
ernst und zart bewegt
und it heil’ger Liebeslust

dir entgegen trägt!
Unbezwinglich unser Mut,
wenn du hehr gebietest;
plötzlich mildert sich die Glut,
wenn du uns befriedest.

DOCTOR MARIANUS UND CHOR
Jungfrau, rein im schönsten Sinne,
Mutter, Ehren würdig,
uns erwählte Königin. . .

DOCTOR MARIANUS
Göttern ebenbürtig.

(Mater gloriosa schwebt einher.)

CHORUS
Dir, der Unberührbaren,
ist es nicht benommen,
daß die leicht Verführbaren
traulich zu dir kommen.
In die Schwachheit hingerafft,
sind sie schwer zu retten.
Wer zerreißt aus eig’ner Kraft
der Gelüste Ketten?
Wie entgleitet schnell der Fuß
schiefem, glattem Boden?

UNA POENITENTIUM UND CHOR DER
Du schwebst zu Höhen
der ewigen Reiche,
vernimm das Flehen,
du Gnadenreiche!
Du Ohnegleiche!

MAGNA PECCATRIX
Bei der Liebe, die den Füßen
Balsa deines gottverklärten Sohnes
Tränen ließ zum m fließen,
trotz des Pharisäer-Hohnes;
beim Gefäße, das so reichlich
tropfte Wohlgeruch hernieder;
bei den Locken, die so weichlich
trockneten die heil’gen Glieder–

MULIER SAMARITANA
Bein dem Bronn, zu dem schon weiland
Abram ließ die Herde führen;
bei dem Eimer, der dem Heiland
kühl die Lippe durft’ berühren;

bei der reinen, reichen Quelle,
die nun dorther sich ergießet,
überflüssig, ewig helle,
rings durch alle Welten fließet–

MARIA AEGYPTIACA
Bei dem hochgeweihten Orte,
wo den Herrn man niederließ,
bei dem Arm, der von der Pforte
warnend mich zurück stieß;
bei der vierzigjähr’gen Buße;
der ich treu in Wüsten blieb;
bei dem sel’gen Scheidegruße,
den im Sand ich niederschrieb–

MAGNA PECCATRIX, MULIER
SAMARITANA, MARIA AEGYPTIACA
Die du großen Sünderinnen
deine Nähe nicht verweigest,
und ein büßendes Gewinnen
in die Ewigkeiten steigerst,
gönn’ auch dieser guten Seele,
die sich einmal nur vergessen,
die nicht ahnte, daß sie fehle
dein Verzeihen angemessen!
Gönn’ auch dieser guten Seele. . .

MARIA AEGYPTIACA
Dein Verzeihen angemessen!

UNA POENITENTIUM
(sonst Gretchen, genannt,
sich anschmiegend)
Neige, neige,
du Ohnegleiche,
du Strahlenreiche,
dein Antlitz gnädig meinem Glück!
Der früh Geliebte,
nicht mehr Getrübte,
er kommt zurück.

SELIGE KNABEN
(in Kreisbewegung sich nähernd)
Er überwächst uns schon
an mächt’gen Gliedern,
wird treuer Pflege Lohn
reichlich erwidern.
Wir wurden früh entfernt
von Lebechören,
doch dieser hat gelernt:

er wird uns lehren.
Er überwächst uns schon, etc.

UNA POENITENTIUM (GRETCHEN)
Vom edlen Geisterchor umgeben,
wird sich der Neue kaum gewahr,
er ahnet kaum das frische Leben,
so gleicht er schon der heil’gen Schar.
Sieh, wie er jedem Erdenbande
der alten Hülle sich entrafft,
und aus ätherischem Gewande
hervortritt erste Jugendkraft!
Vergönne mir, ihn zu belehren,
noch blendet ihn der neue Tag.

MATER GLORIOSA
Komm! Komm! Hebe dich zu höhern Sphären!
Wenn er dich ahnet, folgt er nach.

CHOR
Komm! Komm!

DOCTOR MARIANUS
Blicket auf.

CHOR
Komm!

DOCTOR MARIANUS
Blicket auf.

CHOR
Komm!

DOCTOR MARIANUS
Alle reuig Zarten.

CHOR
Komm!

DOCTOR MARIANUS
Blicket auf.

CHOR
Komm!

DOCTOR MARIANUS
Auf zum Retterblick,
alle reuig Zarten,
euch zu sel’gem Glück
dankend umzuarten!

Werde jeder ness’re Sinn
dir zum Dienst erbötig;
Jungfrau, Mutter, Königin,
Göttin, bleibe gnädig!

CHOR
Blicket auf, etc.

CHORUS MYSTICUS
Alles Vergängliche
ist nur ein Gleichnis;
das Unzulängliche,
hier wird’s Ereignis;
das Unbeschreibliche,
hier ist’s getan;
das Ewig-Weibliche
zieht uns hinan.
Alles Vergängliche, etc.

Mountain gorges, forest, boulders,
wilderness. Holy Anchorites scattered
here and there on the mountain heights between ravines.

HOLY ANCHORITES
Forests sway,
rocks bear down,
roots cling,
trunk crowds on trunk,
wave splashes on wave,
the deepest caves offer shelter;
lions silently pad
honoring the sacred spot,
holy refuge of love.

PATER ECSTATICUS
(soaring high and low)
Eternal fire of bliss,
glowing bonds of love,
seething pain in the breast,
raging desire for God,
arrows, pierce me,
lances, pin me,
cudgels, batter me,
that all vain shadows
may vanish and
the fixed star shine through–
the everlasting heart of love!

PATER PROFUNDIS
(from the depths)
As the rocky abyss at my feet
rests on a deeper abyss;
as a thousand streams flow shimmering
to the awful fall of the foaming torrent;
as the tree, by its own growth driven,
lifts its trunk straight to the sky;
so does Almighty Love
create all, move all.
Around me sounds a savage roar,
as woods and rocks surge like waves.
And still the wealth of waters, kindly
in its thunder, plunges to the chasm,
summoned to water the vale below.
The lightning bolt that strikes in flame
clears the atmosphere of the mist
and pestilence it harbored.
These are Love’s messengers; they tell us
of the eternally creative that surrounds us.
May it inflame my inner being,
where my spirit, cold, confused,
suffers in apathetic stupor
the agony of tight-bound chains.

Oh, God! Calm my thoughts,
lighten my needy heart!

CHORUS OF ANGELS
(soaring in the upper atmosphere, bearing
Faust’s immortal part)
Now is the noble element
of the spirit world saved from the Evil One:
Whoever struggles and aspires
him can we rescue;
and if he has shared
in the Love that comes from above,
the Heavenly Host will greet him
with heartfelt welcome.

CHORUS OF BLESSED BOYS
(circling around the highest peak)
Now join hands,
joyfully circling,
rise up and sing
with holy emotion!
In the divine teaching
you may trust;
then you shall behold
Him whom you adore.

CHORUS OF YOUNGER ANGELS
Roses from the hands of women
penitents, love-sanctified,
helped us gain the victory
and complete the noble work
of capturing the prize of this soul.
Evil gave way as we scattered them,
devils fled as we advanced.
In place of the familiar pains of hell, rep.
spirits felt the pangs of love,
even Satan, that old Master,
was pierced by keenest agony.
Jubilate! We have succeeded!
MORE PERFECT ANGELS
An earthly residue
is painful
for us to bear,
and were it of asbestos,
it would be impure.
When mind’s strong powers
bind the elements to itself,
[ALTO SOLO]
no angel could divide
the united double nature

intimately entwined.
[ALTO SOLO, CHORUS]
Eternal Love alone
could separate them.

YOUNGER ANGELS
I feel now
approaching,
like mist encircling the peak,
a spiritual being.
I see a moving throng
of blessed boys
freed from the press of earth,
joined in a circle,
tasting
the bloom and beauty
of the world above.
Let him start out
in their company,
rising to the perfect state!

DOCTOR MARIANUS
(in the highest, purest cell)
Here the prospect is unconstructed,
the spirit exalted. . .
There pass women
soaring upward;
the Glorious One among them
with starry crown,
Heaven’s Queen,
I know her by her splendor!

CHORUS OF BLESSED BOYS
Gladly do we receive
him in chrysalis;
so we receive
the angels’ pledge.
The wrappings around him
loose and fall away!
Now is he beautiful
and great with sacred life.

DOCTOR MARIANUS
(enraptured)
Highest Mistress of the World,
let me in the blue,
unfurled canopy of Heaven
behold your mystery!
Approve what earnestly and
tenderly moves man’s heart
and lifts him up to you

with the holy desire of love.
Undaunted our courage
when you sublimely command;
suddenly ardor calms
when you pacify us.

DOCTOR MARIANUS AND CHORUS
Virgin, pure in loveliest sense,
Mother, worthy of honor,
our chosen Queen . . .

DOCTOR MARIANUS
Peer of gods.

(The Mater gloriosa appears hovering.)

CHORUS
You are no less
unstainable
because those easily led astray
come to confide in you.
Deep entangled in weakness,
they are hard to rescue.
Who by his own power
can tear off the chains of appetite?
How quickly the foot slips
on steep, slippery ground!

A PENITENT AND CHORUS OFPENITENTSBÜSSERINNEN
You soar to the heights
of the eternal kingdom;
hear our entreaties,
O Fount of mercy!
You Peerless One!

MAGNA PECCATRIX
By the love that bathed
the feet of your God-announced son
with tears that flowed like balm
despite the Pharisees’ scorn;
by the vessel that so richly
dropped its sweet fragrance;
by the locks that so softly
dried his holy limbs–

MULIER SAMARITANA
By the well to which
Abraham once led his flocks;
by the jar that was raised
to cool the Savior’s lips;

by the pure rich spring
welling up from thenceforward,
overflowing, ever clear,
that flows through all the world–

MARIA AEGYPTIACA
By that most holy place
where they laid the Lord;
by the arm that thrust me back
in warning from the door;
by the forty years I faithfully spent
in penance in the desert;
by the blessed farewell message
I wrote there on the sand–

MAGNA PECCATRIX, MULIER
SAMARITANA, MARIA AEGYPTIACA
You, who do not turn away
from women who have greatly sinned,
but lift them through their
penitence into eternity,
grant also this good soul,
who only once forgot herself,
who did not perceive she erred,
your sufficient pardon!
Grant also this good soul . . .

MARIA AEGYPTIACA
Your sufficient pardon!

UNA POENITENTIUM
(formerly called Gretchen,
entreating the Virgin)
Incline, incline,
You Peerless One,
You Shining One,
your countenance graciously to my joy!
My once beloved,
no longer troubled,
no returns to me.

BLESSED BOYS
(approaching in circular motion)
Already he outgrows us
on mighty limbs
and richly will he reward
true caring.
We were early reft
from the mortal chorus,
but he has learned:

he will teach us.
Already he outgrows us, etc.

UNA POENITENTIUM (GRETCHEN)
Surrounded by the noble spirit choir,
the newcomer is scarcely self-aware.
He hardly perceives himself as a new being,
so like is he now to the Heavenly Host.
See how he sloughs off all earthly bonds,
her former shell,
and in ethereal raiment
appears in the first flush of youth!
Let me be his instructor,
him blinded still by the light of the new day.

MATER GLORIOSA
Come! Come! Rise to higher spheres.
When he perceives you, he will follow.

CHORUS
Come! Come!

DOCTOR MARIANUS
Look up!

CHORUS
Come!

DOCTOR MARIANUS
Look up!

CHORUS
Come!

DOCTOR MARIANUS
All contrite tenderness.

CHORUS
Come!

DOCTOR MARIANUS
Look up!

CHORUS
Come!

DOCTOR MARIANUS
Raise your eyes to the gaze
of salvation, all tender penitents,
to be gratefully transformed
into blessful fate.

Each better sense
is turned to your service.
Virgin, Mother, Queen,
Goddess, be gracious!

CHORUS
Look up, etc.

CHORUS MYSTICUS
All that is fleeting
is merely a symbol;
the incomplete
here is fulfilled;
the indescribable
here is performed;
the Eternal Feminine
leads us higher.
All that is fleeting, etc.